Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel


Der Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel wurde 1993 gegründet. Auf einer Fläche von ca. 100 km2 auf österreichischem und etwa 230 km2 auf ungarischem Staatsgebiet findet sich eine Vielzahl einzigartiger Lebensräume und Arten.
Neben den Aufgaben im Naturschutzbereich ist es ein wichtiges Ziel der Nationalparkgesellschaft, Bildungsarbeit für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu leisten. Deshalb wurden spezielle Exkursionskonzepte erarbeitet, in denen auf die Bedürfnisse und Anforderungen der unterschiedlichen Altersstufen, beginnend beim Volksschulalter bis hin zu Studiengruppen, eingegangen wird.
Die Angebotspalette im Bildungsprogramm reicht von Halbtages- über Ganztagesprogramme, bis hin zu mehrtägigen Veranstaltungen oder Projektwochen. Es stehen dabei verschiedene Themenkomplexe zur Auswahl, die im Rahmen ganz- oder mehrtägiger Veranstaltungen auch kombinierbar sind. Die einzelnen Programme sind individuell planbar und werden auf jede Gruppe eigens abgestimmt. Um sicherzustellen, dass die Programme auf hohem Niveau durchgeführt werden können, versuchen wir die Gruppengröße möglichst klein zu halten. Höchstens 15 TeilnehmerInnen werden von einer/m ExkursionsleiterIn betreut.
Bei allen Themen steht das aktive Lernen im Vordergrund. Selbst erfahren und erforschen, unter Anleitung von eigens dafür ausgebildeten BetreuerInnen, soll es den TeilnehmerInnen ermöglichen, die behandelten Themen tatsächlich zu begreifen und zu verstehen. Ziel ist es, die Neugier an der Natur zu wecken und daraus Verständnis für die Schutzwürdigkeit und die dafür geleisteten Tätigkeiten der Nationalparkgesellschaft zu schaffen.

 

Salzige Paradiese

Salzgewässer und Salzböden im Binnenland sind weltweit eine Besonderheit. Die Seewinkellacken sind die einzigen salzigen Gewässer in Österreich, auch im restlichen europäischen Binnenland gibt es vergleichbare Gewässer nur in Zentralungarn und Zentralspanien.
Salz ist nicht gleich Salz – jede Lacke hat ihre eigene Mischung verschiedener Salze, meist steht dabei Soda, also Natriumcarbonat, im Vordergrund. Den Unterschied kann man schmecken. Unser „Salzlacken-Barkeeper-Kurs“ verdeutlicht, wie verschieden nicht nur Süß- und Salzwasser sind, sondern auch wie unterschiedlich die Salzkonzentration im Frühjahr und im Sommer in ein und derselben Lacke sein kann.
Bearbeitet wird auch die Bedeutung von Salz für die Tier- und Pflanzenwelt. Hierbei wird anhand von Versuchen veranschaulicht welche Herausforderungen es unter salzigen Verhältnissen, die noch dazu stark schwanken können, zu meistern gilt. 
Im Rahmen des Programms sollen die Inhalte anschaulich an Beispielen in der Natur erklärt werden und typische Arten der salzbeeinflussten Bereiche des Seewinkels vorgestellt werden.

 

Wasser(er)leben

Der Seewinkel ist ein Feuchtgebiet, ein großer Teil der Tier- und Pflanzenwelt lebt unter Wasser. Dieser Unterwasser-Lebewelt zu erkunden und die Funktionsweise und vielfältigen Zusammenhänge dieser Lebensgemeinschaft zu erfassen ist Inhalt des Moduls Wasser(er)leben.
Mit Hilfe von Keschern fangen die TeilnehmerInnen ihre Studienobjekte selbst aus dem Wasser. Von Mückenlarven über Wasserkäfer oder Libellenlarven bis hin zu Wasserfröschen reicht normalerweise die Palette der gefangenen Tiere. Gemeinsam wird dann erarbeitet welche Anpassungen an das Leben im Wasser notwendig sind und welche Lebewesen wo in einem Gewässer vorkommen. Außerdem soll verdeutlicht werden, dass nicht jedes Gewässer von den gleichen Arten bewohnt wird. Fische kommen nur in wenigen Salzlacken vor, andererseits ist der Neusiedler See ein sehr fischreiches Gewässer. Welche Fischarten sich wie ernähren und wie man das schon am Aussehen erkennen kann wird nicht nur an Bildern sondern auch „am Objekt“ erklärt.
Vieles von dem, was im Wasser lebt, ist jedoch mit freiem Auge kaum oder gar nicht sichtbar. Kleinkrebse und Algen unterschiedlicher Formen können aber im Mikroskop betrachtet werden.

 

Die Puszta

Die Beweidung ist das zentrale Element des Nationalpark-Flächenmanagements. Durch die Fortführung traditioneller Nutzung mit Ausrichtung auf naturschutzfachliche Zielsetzungen werden artenreiche Lebensräume erhalten.
Kurze Erklärungen zur Geschichte der Beweidung wechseln mit spielerischem Erforschen der Funktionsweise des Hutweidebetriebes ab; die Arbeit des Hirten kann hautnah miterlebt werden. Vorgestellt werden auch die verschiedenen zur Beweidung eingesetzten Haustierrassen. Durch die Beweidung im Nationalpark wird die Vegetation maßgeblich beeinflusst. Diese Veränderungen sind bei genauerer Betrachtung erkennbar und können untersucht werden.
Auf Hutweiden ist außerdem eine Vielzahl an Insektenarten zu finden, die innerhalb dieses Moduls mit verschiedenen, auch wissenschaftlich angewandten Methoden, gesammelt werden können. Im Anschluss kann mit Hilfe von Binokularen genauer auf die Besonderheiten und Details der Tiere eingegangen werden.

 

Alle Vöglein ...

Das Neusiedler See Gebiet ist weithin bekannt für seine Vogelwelt. Sowohl als Brutplatz wie auch als Rastplatz und Winterquartier kommt der Region eine, auch international gesehen, große Bedeutung zu.
Es ist weder sinnvoll noch machbar in kurzer Zeit einen Großteil der 340 hier vorkommenden Vogelarten zu sehen oder sogar zu lernen, diese zu bestimmen. Im Rahmen dieses Moduls sollen die groben Unterschiede zwischen den einzelnen Artengruppen deutlich gemacht werden. Die TeilnehmerInnen sollen selbstständig Merkmale finden, anhand derer die Arten unterschieden werden

können. Das Federkleid des Vogels ist dabei ein wichtiges Artenbestimmungsmerkmal, aber auch Verhaltensweisen und Lautäußerungen können entscheidende Hinweise sein.
In weiterer Folge werden mittels gebietstypischer Arten verschiedene Aspekte der Anatomie, der Verhaltens- und der Lebensweise von Vögeln erarbeitet. So können zum Beispiel die verschiedenen Ausprägungen von Vogelschnäbeln als Anpassung an unterschiedliche Ernährungsweisen, die verschiedenen Formen, Farben und Funktionen des Federkleides oder die Anpassung der Vogelanatomie an das Fliegen im Mittelpunkt stehen. Auc h wissenschaftliche Methoden können von den TeilnehmerInnen ausprobiert werden. Es kann unter anderem, auf den Spuren von Konrad Lorenz, das Sozialverhalten der Graugans im Fernglas und Spektiv genau untersucht werden und Verhaltensforschung in der Natur betrieben werden.

 

Ein Meer aus Schilf

Der Schilfgürtel des Neusiedler Sees ist der zweitgrößte zusammenhängende Schilfbestand in Europa nach dem Donaudelta. Er bietet Lebensraum für eine Vielzahl verschiedener Tierarten, die Palette reicht von Kleinkrebsen und Insekten bis hin zu kleinen und größer en Vögeln und Säugetieren. Dabei werden sowohl Bereiche unter als auch über der Wasseroberfläche genutzt.
Diese Vielfalt sollen unsere jungen Forscher selbst entdecken und erkunden, unterstützt werden die TeilnehmerInnen dabei natürlich von dafür ausgebildeten Naturpädagogen. Welche Vögel finden wir hier? Warum nutzen diese den Schilfgürtel? Wie kann man Vögel im Schilf zählen? - diese und andere Fragen sollen mit den Gruppen je nach Altersstufe und Jahreszeit bearbeitet werden.
Schilf ist aber nicht nur ein artenreicher Lebensraum, sondern auch für uns Menschen vielfältig nutzbar. Baumaterial für Dächer oder Wärmedämmung ist nur eine Form der Nutzung, Schilfboote bauen und Schreibfedern zu basteln eine andere. Ermöglicht wird das durch die besonderen Eigenschaften der Schilfpflanze, die durch die Beschäftigung mit dem Material Schilf verständlich gemacht werden soll.

 

Für Menschen mit Behinderung

Die Natur zu erleben und individuell Zugänge zu finden soll allen Menschen ermöglicht sein - gleich ob jung oder alt, groß oder klein, mit Lernschwierigkeiten, Mobilitätseinschränkungen oder Einschränkungen beim Hören oder Sehen. Der Nationalpark hat sich die Aufgabe gestellt, Neugierde für die uns umgebende Welt zu wecken, Zusammenhänge und Hintergrundwissen zu vermitteln und vor allem Naturerlebnisse zu ermöglichen, die in Erinnerung bleiben.
Menschen mit Behinderung haben Ansprüche, auf die bei jeder Veranstaltung individuell eingegangen werden muss. Bei TeilnehmerInnen mit Lernschwächen oder geistiger Behinderung werden die Themenbereiche und Schwierigkeitsgrade den jeweiligen Ansprüchen angepasst. Um Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen ein Naturerlebnis im Nationalpark zu ermöglichen wurden behindertengerechte Hochstände errichtet, einige Wege im Nationalparkgebiet sind zudem befestigt, wodurch die Erkundung des Gebietes erleichtert wird.
Sehbehinderten und hörgeschädigten TeilnehmerInnen wird versucht, durch die Nutzung der anderen Sinne die Besonderheiten des Neusiedler See Gebietes näher zu bringen.

 

Kalendarium

Schulprogramme können das ganze Jahr über durchgeführt werden. Welche Themenbereiche wann möglich sind entnehmen Sie der nachfolgenden Übersicht.
Wasser(er)leben: Jänner - Dezember
Salzige Paradiese: März - Oktober
Alle Vöglein: März - Juni, August, September & November
Die Puszta: April - Oktober
Ein Meer aus Schilf: April - Oktober

 

Ablauf und Organisatorisches

Die Programme werden größtenteils im Freiland durchgeführt und finden bei jedem Wetter statt. Es stehen für die Exkursionen verschiedene Themenkomplexe zur Auswahl, die im Rahmen ganz- oder mehrtägiger Veranstaltungen auch kombinierbar sind. Zur Vertiefung bestimmter Inhalte sowie bei Schlechtwetter können auch die Räumlichkeiten des Ökopädagogikzentrums in Anspruch genommen werden.
Die Mitnahme von Sonnen- sowie Regenschutz, festem Schuhwerk, Trinkflaschen und, falls vorhanden, Ferngläsern wird für alle Exkursionen empfohlen. Bei mehrtägigen Veranstaltungen ist weiters die Mitnahme von Badesachen und Ersatzschuhen empfehlenswert.
Bitte beachten Sie, dass nur eine dreistündige Exkursion pro Klasse und Schuljahr gebucht werden kann.

 

Leistungs- und Preisübersicht

Dauer: 3 Stunden; Kurskosten: € 8,-; Kurszeiten: Flexibel
Dauer: 1-tägig; Kurskosten: € 26,-; Kurszeiten: 9-17 Uhr
Dauer: 2-tägig; Kurskosten: € 64,-; Kurszeiten: Tägl. 9-17 Uhr
Dauer: 3-tägig; Kurskosten: € 104,-; Kurszeiten: Tägl. 9-17 Uhr + 1 Nachtaktion
Dauer: 4-tägig; Kurskosten: € 142,-; Kurszeiten: Tägl. 9-17 Uhr + 1 Nachtaktion
Dauer: 5-tägig; Kurskosten: € 183,-; Kurszeiten: Tägl. 9-17 Uhr + 1 Nachtaktion + 1 Abschlussfest

* der Preis versteht sich pro TeilnehmerIn inklusive Organisation, Betreuung, Material und Verplegung (Mittagessen, Abendessen bei mehrtägigen Veranstaltungen, ausgenommen Abreisetag); Mit Neusiedler See Card reduziert sich der Preis je Veranstaltung und € 5,- pro Tag; Mindestpauschalte € 90,- pro Gruppe (max. 15 SchülerInnen) und Halbtag; Für Lehr- und Begleitpersonal fallen keine Kurskosten an, Verpflegung wird mit € 6,- pro kalter und € 7,- pro warmer Mahlzeit und Person berechnet.