Naturerlebnis im Pannonischen Herbst


Wenn am Morgen das Gras feucht ist und Schleier von Bodennebel die Landschaft überziehen, hat der Herbst im Seewinkel Einzug gehalten. Die Temperaturen können untertags auch im Oktober durchaus noch über 20°C liegen, womit beste Bedingungen zur Naturbeobachtung gegeben sind.

Bis weit in den Oktober hinein sind verschiedene Vogelarten auf ihrem Zug in die Winterquartiere zu sehen. Arten wie Kiebitzregenpfeifer, Sanderling, Zwergstrandläufer, Sichelstrandläufer, Alpenstrandläufer oder Dunkler Wasserläufer nutzen die Seewinkellacken als Rast- und Futterplatz. Andere Watvögel wie Säbelschnäbler, Kiebitz und Großer Brachvogel sammeln sich im Gebiet, um dann ebenfalls weiter nach Süden zu ziehen. Abhängig vom Wasserstand an den Lacken bevölkern große Scharen verschiedener Entenarten die Gewässer im Nationalpark.
Während in feuchteren Jahren die Lacken als Rastplatz für Krick-, Stock-, Schnatterente und einige mehr dienen, nutzen die Tiere in trockeneren Jahren eher die unzugängliche Naturzone im südlichen Teil des Neusiedler Sees.

Wenn im Norden Europas die Temperaturen sinken, treffen nach und nach immer mehr Gänse im österreichisch-ungarischen Grenzgebiet ein. Sind es im Frühherbst noch fast ausschließlich Graugänse, verändert sich das Verhältnis der verschiedenen Arten bis zum Spätherbst immer stärker zugunsten der nordischen Gänse. Neben der Saatgans ist es vor allem die Blässgans, die in Scharen von mehreren tausend Tieren das Neusiedler See - Gebiet als Herbst und Winterquartier nutzt. Wann genau das spektakuläre Naturschauspiel des „Gänsestrich“ stattfindet, lässt sich nur schwer voraussagen. Es hängt hauptsächlich von den Temperaturen in weiter nördlich gelegenen Gefilden ab wann die Gänsescharen bei uns ankommen. Ab Mitte Oktober kann man normalerweise die Flüge von und zu den Gewässern, die als Schlafplatz dienen, beobachten.

Je näher der Winter heranrückt desto mehr gefiederte Wintergäste finden sich im Seewinkel ein. Erste Raubwürger oder Kornweihen sind schon im Oktober zu sehen, etwas später lassen sich auch Rauhfußbussarde blicken. Die auffälligste Pflanze der frühen Herbsttage im Seewinkel ist die Pannonische Salzaster: Ihre rosa bis lila gefärbten Blüten überziehen Teile der Landschaft wie ein Tepppich. Wie einige andere Pflanzen ist die Salzaster an salzige Bodenbedingungen angepasst und wächst vor allem auf Wiesen und Lackenufern, die im Frühjahr überschwemmt sind.

Highlights im Jahresverlauf

Oktober
Gänse und andere Wintergäste treffen langsam ein, gegen Monatsende durchziehende Kraniche, Salzaster verblüht langsam

November
Je nach Witterung +/- große Gänsescharen – Gänsestrich, immer wieder Scharen von Kranichen, nordische Greifvögel (z.B. Kornweihe), überwinternde Singvögel

 

Wegegebot
Um eine Beunruhigung der Tierwelt möglichst gering zu halten gilt im gesamten Gebiet das Wegegebot. Es ist ausdrücklich untersagt die Wanderwege zu verlassen. Schon aus Ihrem eigenen Interesse bitten wir Sie sich daran zu halten. Ein Verlassen der Wege bewegt die Tiere zur Flucht und sowohl für Sie als auch für andere Besucher ist das Naturerlebnis für einige Zeit beeinträchtigt.

 

Nützliche Tipps

  • die Wahl der richtigen Tages- oder Jahreszeit ist ebenso entscheidend wie eine entsprechende optische Ausrüstung.
  • Wanderkarte, Bestimmungsbuch oder Vogelcheckliste sind hilfreiche Begleiter bei jeder Wanderung - aktuelle Tipps erhalten Sie im Informationszentrum.
  • Die wichtigste Voraussetzung für das Kennenlernen des Steppennationalparks aber ist einfach – genügend Zeit.

 

Licht- und Sichtverhältnisse
Der Begriff „Schönwetter“ lässt sich sehr unterschiedlich interpretieren, vor allem wenn es um das Naturerlebnis, noch mehr wenn es ums Beobachten und Fotografieren in freier Natur geht. Hochsommerhitze mit Luftflimmern schon am frühen Vormittag gehört so mit Sicherheit zu den weniger empfehlenswerten Zeiten – nicht nur wegen der schlechten Licht- und Sichtverhältnisse, sondern weil sich dann nur wenige Tierarten in praller Sonne aufhalten. Umgekehrt sind durchaus frische, windige Tage im Frühjahr, Herbst oder Winter besonders für Fotografen sehr ergiebig.
Zwei weitere Faktoren beeinflussen die Tierbeobachtung und das Fotografieren stark: Mit den schwankenden Wasserständen in den Lacken ändert sich die Distanz der Wasserflächen zu den Wegen (und Beobachtungshochständen), von ganz nah Ende des Winters bis hunderte Meter kurz vor dem Austrocknen im Sommer; und von November bis März ergeben sich wegen des fehlenden Laubs an Bäumen und Sträuchern zusätzliche Blickachsen. Der Mensch, genauer seine für das Flächenmanagement „arbeitenden“ Weidetiere (Graurinder, Wasserbüffel, Angus, Fleckvieh, Warmblutpferde, Przewalski, Weisse Esel) und die frühsommerliche Wiesenmahd, sorgen für eine kurzrasige Vegetation und machen viele Tierarten sichtbar – wo das nicht passiert, wird es ab Mai schwieriger, Tiere in Wiesengebieten zu beobachten.



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